Selina Egloff

Die Abräumerin

Von Zeit zu Zeit schneit ein Wunderkind vom Himmel. Auch im Engadin ging eine Schneeflocke nieder, vor 17 Jahren. Selina Egloff aus Scuol ist ein Ausnahmetalent auf Ski.

Das grösste Wunderkind der Menschheitsgeschichte dürfte Wolfgang Amadeus Mozart gewesen sein. 1756 geboren, komponierte «Wolferl» im Alter von fünf Jahren seine erste Melodie. 

Frühreif 

Auch Selina Egloff machte früh auf sich aufmerksam. Mit zweieinhalb stand das Mädchen aus Scuol erstmals auf Ski, im Kindergartenalter gehörte sie bereits der Renngruppe des SC Lischana an. Als Juniorin tischte Selina Siege ab wie eine Serviertochter Teller. Die Abräumerin bescheiden: «Es lief mir ganz gut, aber der Weg von Juniorinnen-Rennen zur Elite ist weit.» 

Das grosse Augenreiben 

Der Elite heizte die Engadinerin schon mal gehörig ein. An den Schweizer Meisterschaften im Frühling bretterte die damals 16-Jährige im Riesenslalom aufs Podest. Geschlagen nur von Wendy Holdener und Aline Danioth. Es war der Tag des grossen Augenreibens. Gegnerinnen, Trainer und Journalisten glaubten nicht, was sie da sahen. Belohnt wurde Selina Egloff mit dem Aufstieg ins C-Kader von Swiss Ski. Für das Ausnahmetalent nicht mehr als ein Treppenabsatz. Sie will an die Weltspitze, wo die Luft dünn, die Aussicht dafür prächtig ist. 

Im Vorbeifahren 

Ihre Ambitionen untermauert Selina Egloff auch in diesem Winter, der im Flachland daherkommt wie ein Monsunregen in Indien. Zwei FIS-Siege hat sie bereits eingetütet, dazu gesellt sich ein 13. Rang in einem Europacup-Slalom in Norwegen. Das Bemerkenswerte daran: Im zweiten Lauf erzielte Selina Egloff die zweitschnellste Zeit. Carole Bissig etwa, im Weltcup gesetzt, nahm sie im Vorbeifahren mehr als eine Sekunde ab. 

Shiffrin 

Nach ihrem Vorbild gefragt, muss Selina Egloff nicht lange überlegen: «Shiffrin.» Setzt sich der Aufstieg der Scuolerin fort, könnten sie sich schon bald auf der Rennpiste begegnen. Ob die amerikanische Seriensiegerin ahnt, dass in Zukunft eine junge Engadinerin den Takt angeben könnte wie Mozart vor 250 Jahren?

Von Maurus K. erfasst am 22.12 2018 17:46

Erika Hess, Vreni Schneider, Selina Egloff? Das wäre schön, ach. Hoffentlich sehen wir sie bald im Weltcup. Und ja: Hier unten schüttet es wie aus Kübeln. Nasse Weihnachten allerseits.

1 Antwort

Von Helene erfasst am 22.12 2018 18:40

Hakle feucht, Weihnachten nass 😉

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