Lichtmess-Schwinget

«Wa macht än Art de Jugo bim Schwingä?»

Das Herumhängen im Mottenschrank hat ein Ende. Die Zwilchhose sieht endlich wieder Licht. Am Lichtmess-Schwinget in Gais.

Organisiert wird der Schwinget vom örtlichen Schwingklub, der sich mit «c» schreibt wie ein FC. Das halbe Dorf ist auf den Beinen und hilft überall dort, wo flinke und kräftige Hände gebraucht werden. Der Schwinget findet am 2. Februar statt. Austragungsort ist das Oberstufenzentrum. Los legt der Schwinget um 14 Uhr. 

Rychen siegt 

Am letztjährigen Lichtmess-Schwinget standen sich im Schlussgang der Glarner Roger Rychen und Samir Leuppi aus Winterthur gegenüber. Die Entscheidung vor 400 Zuschauern fiel nach sechs Minuten. Es siegte Rychen mit Kurz und Nachdrücken am Boden. Roger Rychen war eine Klasse für sich. Er gewann alle sechs Gänge und hatte am Ende 59,25 Punkte auf dem Notenblatt. 

Bless geschlagen 

Nicht auf Betriebstemperatur kam Lokalmatador Michael Bless. Er klassierte sich nur auf Rang 7b, nach drei Siegen, zwei Gestellten und einer Niederlage. Den Kürzeren zog er im vierten Gang gegen Festsieger Rychen. 

Naim Fejzaj 

Eine bärenstarke Leistung zeigte dafür Naim Fejzaj aus Wolfhalden. Der 23-Jährige beendete den Schwinget ungeschlagen als Zweiter, mit vier Siegen und zwei Gestellten. Im vierten Gang bodigte er den prominenten Berner Gast Florian Gnägi, seines Zeichens neunfacher Kranzfestsieger. 

Gell, Xherdan 

Wer ist dieser Schwinger mit dem zungenbrechenden Namen? Seine Mutter stammt aus Kroatien, sein Vater ist Kosovare. In jungen Jahren musste sich Naim Fejzaj den einen oder anderen blöden Spruch anhören. «Wa macht än Art de Jugo bim Schwingä?», zischte es hinter seinem Rücken. Heute ist Naim Fejzaj voll integriert und akzeptiert. Er tritt auf mit breitem Dialekt und prächtiger Appenzeller Tracht und schwingt sich hoch zu immer besseren Resultaten. Nicht mit dem Doppeladler – mit Gammen, Kurz und Wyberhaken. Gell, Xherdan Shaqiri. 

81 Kränze 

Gespannt ist man am diesjährigen Lichtmess-Schwinget auf die Reaktion von Michael Bless. Der Gääser wird alles daransetzen, die letztjährige Scharte auszuwetzen. Abseits des Sägmehlrings ein sympathischer Zeitgenosse, verwandelt sich Bless in Zwilchhosen in einen bissigen Bläss. In seiner bisherigen Karriere errang er 81 Kränze (darunter 3 Eidgenössische). Siebenmal schwang er an einem Kranzfest obenaus. Zuletzt 2018 am Schaffhauser Kantonalschwingfest. Nicht irgendwie, sondern mit der Maximalpunktzahl. 

Ass im Ärmel 

Des Appenzellers Erfolgsgeheimnis? Natürlich der gleichnamige Käse und die würzige Luft am Fuss des Gäbris. Doch Michael Bless hat noch ein weiteres Ass im Ärmel. Seinen Personal Trainer nämlich, wie man heute auf Neudeutsch sagt. Der ist ein Plagegeist, Quäler, Schleifer der alten Schule. 

Extrem robust 

Die Zwilchhose mit eingeschlauftem Ledergurt braucht sich um ihre Fitness keine Sorgen zu machen. Sie ist extrem robust und hält Reisskräfte bis zu einer Tonne aus. Da müsste schon ein gedopter Gorilla Hand anlegen, um sie in Stücke zu reissen. So schaut die Zwilchhose dem Hoselupf in Gais gelassen und doch gespannt entgegen.

Von P. Lüber erfasst am 02.01 2019 21:20

Naim Fejzaj

Schöne Geschichte. Wer sich bemüht, wird aufgenommen mit offenen Armen.

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