Brünig-Schwinget

«Mörder!», riefen sie ihm nach

Morgenstund hat Sägmehl im Mund. Wer am Brünig-Schwinget dabei sein will, sollte sich einen Bäckergesellen zum Vorbild nehmen. Die letzten Tickets gelangen am frühen Sonntagmorgen in den Verkauf. Sie gehen weg wie frische Gipfeli.

Die 5000 Sitzplätze sind längst ausverkauft. Schwingfans bleibt nur die Möglichkeit, einen der rund 1000 Stehplätze zu ergattern. Ein Billett kostet 20 Franken. Für dieses Geld kommt man an einem Fussballmatch höchstens als Cornerfahne ins Stadion.

Gurt und Reissverschluss

Die Faszination des Brünig-Schwingets gründet in seiner langen Geschichte. Seine Feuertaufe erlebte das Fest 1893. Den Sieg teilten sich der Hasliberger Simon Fuhrer und Karl Dubach aus Diemtigen. Im gleichen Jahr erfand ein Tüftler in den USA den Reissverschluss. Den schenken sich die Schwinger bis heute. Die Zwilchhose wird gegurtet. Daran wird sich bis in alle Ewigkeit nichts ändern.

Geteilter Sieg

2017 spielte sich am Brünig-Schwinget Sonderbares ab. Bernhard Kämpf und Kilian Wenger wurden für einen faden Schlussgang mit einer 8,75 bestraft. So standen am Ende drei Schwinger punktgleich zuoberst. Sieger 1a: Bernhard Kämpf, 1b: Philipp Reusser, 1c: Christian Stucki. Dahinter folgten mit Wenger und Aeschbacher zwei weitere Berner. Und die Innerschweizer? Um ihre Leistung hüllen wir den Mantel des Schweigens.    

Benno Studer

Auf dem Brünig werden Helden geboren. Und tragische Geschichten geschrieben. 2007 triumphierte Benno Studer, ein junger Innerschweizer aus Schüpfheim. Sechs Jahre später fiel er einem feigen Mordanschlag zum Opfer. Ein Arbeitskollege lief mit einer Pistole Amok, Benno Studer stellte sich ihm in den Weg – und bezahlte seinen Mut mit dem Leben.

Karl Meli

1960 siegte der erfolgreichste Schwinger der Geschichte. Karl Meli aus Winterthur bodigte seinen Schlussganggegner, den Oberhasler Beat Thöni, mit einem brachialen Plattwurf. Der Geschlagene blieb querschnittgelähmt liegen. Karl Meli kehrte nie mehr auf den Brünig zurück. Ihn traf keine Schuld, doch Menschen können grausam sein. «Mörder!», riefen sie ihm nach, hinter seinem breiten Rücken. Klapperschlangen gibt's nicht nur am Mississippi, sondern auch hierzulande.

29. Juli

Der diesjährige Brünig-Schwinget findet am Sonntag, 29. Juli, statt. Die Festwirtschaft öffnet um 6 Uhr, das Anschwingen beginnt zwei Stunden später. Um halb zwölf hat nicht ein schräger Vogel, sondern der Spatz seinen Auftritt: Im Festzelt wird der traditionelle Eintopf serviert. Auch musikalisch geht's am Brünig-Schwinget hoch zu und her. Für Stimmung und heimatliche Gefühle sorgen diverse Formationen.

Hart umkämpft

Am späten Nachmittag steigt der grosse Showdown. Die Schlussgangteilnehmer betreten den Sägmehlring. Wer im letzten Hoselupf des Tages in die Zwilchhosen steigt? Der Berner Favoriten sind viele. Doch die Innerschweizer, angeführt von Joel Wicki, werden alles daransetzen, die letztjährige Scharte auszuwetzen. Auf dem Brünig, bei hoffentlich strahlendem Sommerwetter, ohne Knarre und Krankenwagen.

Weitere Infos zum Gipfeltreffen der Giganten gibt's unter bruenigschwinget.ch.

Von B. Benz erfasst am 29.06 2018 12:04

Tragische Geschichte. Nicht erwähnt ist, dass Meli und Thöni nach dem Unfall gute Freunde wurden.

Von Tom, ein Berner erfasst am 01.07 2018 08:28

Brünig

Wimbledon – der Brünig-Schwinget des Flachlands. Fehlt nur das Sägemehl. Rasen ist doch was für Schafe.

Von Heiri Müggler erfasst am 12.07 2018 19:48

Ein Wunder, dass nicht mehr passiert. Diese Kräfte, die da wirken, wenn zwei Brocken aneinandergeraten! Buuuh!

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