Michael Bächli

1365 Tage

Der Weltrekord der Frauen im Hochsprung liegt bei 2,09 Metern. Lediglich zwei Daumenbreit kleiner ist Michael Bächli. Der 20-Jährige ist der längste Schwinger des Landes. Und macht der Würenlinger so weiter, bald auch einer der grössten.

Bächlis 2,05 Meter sind eine feine Sache, wenn man Basketballer ist oder Tierpfleger im Zoo. Ganz ohne Bockleiter putzt man der Giraffe die Zähne. Auch im Schwingen sind sie von Vorteil, solange man nicht über die eigenen Beine stolpert. 

Tschütteler 

Im Bubenalter kickte Bächli beim FC Würenlingen. Dann entdeckte er das Schwingen und schoss den Ball ins Gebüsch. Sein Talent im Sägmehl stach ins Auge. 25 Siege an Jungschwingertagen sackte er ein. 

Erster Kranz 

Als Teenager mit Flaum am Kinn debütierte der Würenlinger bei den Grossen. Und wie: Am 29. Mai 2014, im Alter von 15 Jahren, errang Michael Bächli am Baselstädtischen Schwingfest seinen ersten Kranz. Dünn wie ein Spargeltarzan tanzte er mit den gestandenen Mannsbildern Tango. Ungeschlagen war er am Ende des Tages mit drei Siegen und drei Gestellten.

 

Himmelsstürmer 

2015 trumpfte der Jungspund noch stärker auf. Am Aargauer Kantonalen wurde Michael Bächli Zweiter, am legendären Brünig-Schwinget belegte er Rang 4a. Der Nachwuchsschwinger schwebte über den Wolken, allein der Himmel war seine Grenze. 

Drei Kreuzbandrisse 

Dann warf sich Michael Bächli die Verletzungshexe an den Hals. Gleich drei Kreuzbandrisse handelte sich der Würenlinger ein. Seine Karriere schien beendet, bevor sie richtig Fahrt aufgenommen hatte. Doch Bächli kriegte die Kurve, er ist in dieser Saison zurück im Sägmehl. 

Masse muss her 

Vergessen hat er seine Leidenszeit nicht. «1365 Tage war ich ausser Gefecht», erläutert der Pechvogel akribisch wie ein Buchhalter. Mehr als einmal habe er sich gefragt, ob er nicht zu fragil sei für den Schwingsport. In der Tat würden ihm fünf oder zehn Kilo zusätzliche Muskelmasse guttun. Dann hätte er alle Voraussetzungen, um den Bösesten der Bösen den Meister zu zeigen. 

Morgen oder übermorgen 

Auch ohne gepumpte Muskeln sorgt Michael Bächli in seiner Comeback-Saison für Furore. Vierter wurde er am Aargauer Schwingfest und am Baselstädtischen. Am Waadtländer Schwingfest reichte es ihm sogar zu Rang 3. Der erste Kranzfestsieg wird kommen, morgen oder übermorgen. Bächli macht sich deswegen keinen Stress. Wer 1365 Tage auf dem Trockenen sass wie Robinson Crusoe, ist mit der Zeit im Reinen.