Murat Yakin

Schmutzige Wäsche

In Zürich, an einem regnerischen Novemberabend vor ein paar Jahren.

«Was hältst du eigentlich von Yakin?»

«Hakan oder Murat?»

«Murat.»

Er lässt sich Zeit mit seiner Antwort, ruft erst: «Rosie, noch eine Stange, nein, zwei.»

Er: ein Sportjournalist der alten Schule. Direkt, unverblümt, unbestechlich. Ein Zeitungsfritze ohne Freunde, aber mit Quellen.

«Nichts. Weltklassetrainer, Taktikgenie – dass ich nicht lache.»

«Weshalb», hake ich nach, «weshalb wird Murat vom BLICK dann seit Jahren gehätschelt? Und sein Bruder Hakan zur Schnecke gemacht?»

Ein Lächeln umspielt seinen Mund.

«Was steckt dahinter? Na los, sag schon.»

«So viel sei dir verraten, mein lieber Freund: Dass sie Murat hofieren und Hakan mit seinen Weibergeschichten und unehelichen Kindern wie eine Sau durchs Dorf treiben, ist ein strategischer Entscheid.»

«Ach, hör auf.»

«Glaub es oder lass es. So funktioniert das Spiel. Good Boy, bad Boy – die Rollen werden besetzt wie am Theater. Doch Murat sollte sich nicht zu sicher fühlen. Der Wind kann drehen.» 

Er zuckt mit den Achseln, trinkt aus und ruft: «Rosie, zahlen!» Dann schlägt er den Kragen hoch und ist weg.

Frühling 2018, frostige Ostern

BLICK schiesst auf Murat, aus allen Rohren. Schmutzige Wäsche wird gewaschen. Die Wutbürger in den Foren steigen auf die Barrikaden und fordern Yakins Kopf.

Rauswurf 

Es erwischt Murat Yakin am Dienstag, 10. April, um 8 Uhr morgens. Der Grasshopper Club setzt ihn vor die Tür. Muss man sich Sorgen machen um Yakin? Nein, im Döner-Laden gibt's für Murat immer einen Job.

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