FC St. Gallen 1879

Um ein Haar hätte es Bratwürste geregnet

Die Kita St. Gallen begeistert weiter. Nach drei Siegen in Folge ringen die jungen Wilden Tabellenführer Basel einen Punkt ab. Verdient hätten sie den Sieg.

Nach der Peinlichkeit im Cup gegen Winterthur lag die Mannschaft am Boden. Ätzend fiel die Kritik der Medien aus. Vier Spiele später loben die Journalisten den FC St. Gallen in den Himmel. Kreuzigt ihn! und Halleluja! sind ihr tägliches Brot. Oder wie der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer sagte: «Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.» 

Von einem anderen Stern 

Was St. Gallen an diesem trüben 6. Oktober vor 17 000 Zuschauern aufführte, war für hiesige Verhältnisse Fussball von einem anderen Stern. Angriff um Angriff brandete 93 Minuten lang gegen das Basler Tor. Kämpferisch und läuferisch herausragend war die St. Galler Leistung, garniert mit spielerischer Leichtigkeit. Nur das Runde wollte nicht ins Eckige, es war zum Verzweifeln. So siegte der FC St. Gallen 0:0 – das Publikum feierte das Team mit bebenden Ovationen. 

Drauflos 

Fans und Fachleute wundern sich: Was ist nur in diese St. Galler gefahren? Vor wenigen Wochen noch spielten sie statisch wie drei Reihen Grabsteine. Nun powern sie drauflos, als gäbe es kein Morgen. Fussball, wusste schon Karl-Heinz Rummenigge, ist keine Mathematik. Es passieren Dinge in einer Mannschaft, die nicht zu erklären sind. 

Alain Sutter 

Ein grosses Stück vom St. Galler Erfolgskuchen kann sich neben Trainer Zeidler Sportchef Alain Sutter abschneiden. Die begeisternd aufspielende Truppe ist sein Werk. Sieben Spieler in der Startelf gegen Basel waren 21 Jahre oder jünger. Es war Sutter, der die spanischen Toreros Jordi Quintillà und Victor Ruiz nach St. Gallen holte. Quintillà hatte er auf der Baseball-Insel Puerto Rico entdeckt, Ruiz grub Sutter in der 4. (!) spanischen Liga aus.    

Nüchtern heissblütig 

Nach Jahren der mittleren Tristesse ist in St. Gallen die Euphorie zurück. Wäre gegen Basel das Tor gefallen kurz vor Schluss, hätte sich abgespielt, was letztmals im Espenmoos geschah. Es hätte angebissene Bratwürste geregnet aufs Spielfeld. Die St. Galler Zuschauer, im Alltag nüchtern, sind im Stadion heissblütig wie Neapolitaner.