FC Thun

Herzschrittmacher

1955 stand der FC Thun im Cupfinal. Fast ein Menschenleben ist es her. Nun hat er es wieder gethun. Er trifft am 19. Mai auf den FC Basel.

Der Halbfinal war nichts für altersschwache Herzschrittmacher. Der FC Luzern am Drücker, Thun hielt aufopferungsvoll kämpfend dagegen. In der 80. Minute gingen die Berner Oberländer überraschend in Führung. Die Luzerner Reaktion fiel wütend aus, die Schneider-Jungs verteidigten mit Mann und Maus. Das Leiden im Thuner Fanblock nahm kein Ende. Dann endlich war er da, der erlösende Schlusspfiff. Es explodierte grenzenlose Freude. 

Strassenfeger jener Zeit 

1955, vor 64 Jahren, war die Welt noch eine andere. In Grossbritannien trat Winston Churchill als Premierminister zurück, und im Deutschen Fernsehen feierte die Ratesendung WAS BIN ICH? mit Robert Lembke Premiere. Sie war der Strassenfeger jener Zeit. 

Eine Schachtel Pralinés 

Gekickt wurde in den fünfziger Jahren mit Lederbällen, die bei Regen schwer wurden wie Medizinbälle. Das gab Kopfweh, nicht zu knapp. Der Schiedsrichter lief in Schwarz auf wie ein Bestatter und statt Millionen gab's für die Spieler einen feuchten Händedruck und zu Weihnachten eine Schachtel Pralinés für die Frau Gemahlin oder Mutter. Gekickt wurde auf besseren Kuhwiesen. Im schlechteren Fall auf Pferdekoppeln. 

Vorteil Kunstrasen 

Die Zeiten haben sich geändert. Heute spielt der Thun in einem modernen Stadion auf Kunstrasen. Dieser Umstand könnte ihm zum entscheidenden Vorteil gereichen. Auch im Stade de Suisse in Bern spriesst kein Gras. 1:0 für den FC Thun schon vor dem Anpfiff. 

Stadion oder Glotze 

Das vereinigte Berner Oberland fiebert dem Finaltag entgegen. Wer geküsst ist vom lieben Fussballgott und ein Billett ergattert, feuert seine Lieblinge im Stadion an. Der Rest kaut Fingernägel vor der Glotze. Hopp Thun! Nur die mit dem Herzschrittmacher putzen am 19. Mai das Bad oder waschen das Auto.