FC St. Gallen 1879

Bundesrat und Punk

Die Stadt mit dem spitzen Dialekt gibt sich gern konservativ. Nur der Ball ist seiner Zeit voraus. Der FC St. Gallen revolutioniert den Fussball.

Während andere Clubs auf Routine bauen, pfeifen sie darauf. Die Espen stellen das jüngste Team der Super League. Und überrumpeln mit ihrem Konzept die Konkurrenz.

Stéphane Henchoz

Das Lob kam aus prominentem Mund. Ex-Liverpool-Spieler Stéphane Henchoz nach der 0:3-Pleite des FC Sion am 2. November: «St. Gallen ist das Team mit der höchsten Intensität in diesem Land. Alles hungrige, junge, willige Typen, die eine Riesenlaufbereitschaft an den Tag legen. Weil sie ihre Karriere lancieren wollen.»

Leonidas Stergiou

Einer dieser Jungen, der Jüngste gar, ist 17-jährig. Leonidas Stergiou lautet sein Name, er ist der Verteidigungsminister der Truppe. Abgeklärt wie ein alter Hase hält er die Defensive zusammen. Der Wattwiler besticht mit seiner Bescheidenheit. Andere an seiner Stelle wären mit dem Ferrari-Händler bereits per Du. Stergiou fährt mit dem Zug nach St. Gallen.

Betim Fazliji

Aus Rebstein im Rheintal stammt der 20-jährige Betim Fazliji. «Herr Zeidler» nennt er respektvoll seinen Trainer. Und «Herr Sutter» den Sportchef. Fazliji bringt alles mit, um durchzustarten. Alain Wiss, mit 29 Jahren der Senior im Team, bezeichnet ihn als «grösstes Talent von allen».

Boris Babic

Aus Walenstadt kommt Boris Babic, 22. Beim FC Vaduz sass er letzte Saison auf der Tribüne. In St. Gallen nutzt er seine letzte Chance. Und wie: Mit klugen Pässen und frechen Dribblings ist Babic einer der Publikumslieblinge. Dazu ein Laufwunder. Wie eine Flipperkugel flitzt er hin und her.

Kurt Furgler

Ein feuriger Anhänger des FC St. Gallen war CVP-Bundesrat Kurt Furgler. Dessen Neffe Matthias Hüppi führt den Verein zu grünen Ufern. Und Furglers Grossneffe ist ein Punk.

Der FC St. Gallen 1879 im Jahr 2019: anders als alle anderen.