FC Aarau

Als nur Mädchen Schienbeinschoner trugen

Dass der FC Aarau im Untergeschoss des Fussballs kickt, ist Perlen vor die Säue geworfen. Der Traditionsverein gehört in die Super League wie die Luft in den Ball.

Die Gründung des FC Aarau im Jahr 1905 war keine Schnapsidee. Sie wurde vollzogen in der Bierbrauerei Ryniker in Aarau. Rasch stellte sich der Erfolg ein. 1912 und 1914 wurde der FC Aarau Schweizer Meister. Dann dauerte es ein Menschenleben, bis der Fussballclub wieder Grund zum Jubeln hatte. 

Cupsieg 1985 

Man schrieb den 27. Mai 1985, als der FC Aarau mit Ottmar Hitzfeld auf der Trainerbank im Cupfinal auf Neuenburg Xamax traf. Xamax war Favorit, doch Aarau leistete dem Team von Gilbert Gress erbitterten Widerstand. In der 85. Minute fasste sich Aaraus Nummer 8, Walter Iselin, ein Herz und drosch den Ball aus vier Kilometern Entfernung ins Lattenkreuz. Und tanzte danach Samba, Rambazamba, Cha-Cha-Cha. Ohne Schienbeinschoner, die trugen damals nur Mädchen. 

Meistertitel mit Fringer 

1993 unter Rolf Fringer errang der FC Aarau sensationell den Meistertitel. Es war eine der grössten Überraschungen der Schweizer Fussballgeschichte. Fringers Karriere geriet danach ins Stocken. Beim VfB Stuttgart in der Bundesliga wurde er entlassen, als Coach der Schweizer Nati war ihm ebenfalls kein Glück beschieden, obwohl ihm Fussballexperte Harry Hasler beratend zur Seite stand. Nach diversen, meist kurzfristigen Engagements im In- und Ausland 2017 der Tiefpunkt: Sion-Präsident Constantin vermöbelte ihn vor laufender Kamera. 

Roberto Di Matteo 

Im Lauf der Zeit gaben sich beim FC Aarau namhafte Spieler das Dul-X in die Hand. Heinz Hermann, Pascal Zuberbühler, Ciriaco Sforza, Lars Lunde, Ratinho, Wynton Rufer, Gökhan Inler, um nur einige zu nennen. Auch Roberto Di Matteo schnürte die Treter für den FC Aarau. Als Trainer führte er den FC Chelsea zum Champions-League-Sieg gegen Bayern München. 

Miserabler Saisonstart 

Erinnerungen sind die Träume alter Männer. Seit Jahren fristet der FC Aarau sein Dasein in der Challenge League. Absteigen ist nicht schwer, aufsteigen dagegen sehr. Doch in dieser Saison liegt etwas in der Luft. Der direkte Aufstieg ist nicht realistisch, der Barrage-Platz könnte es am Ende sein. Dabei sah es Anfang Saison düster aus. Die ersten sechs Partien gingen verloren, erst nach und nach fanden die Rahmen-Jungs den Tritt. 

Kluger Entscheid 

Dass der junge Sportchef Sandro Burki die Nerven behielt und Trainer Rahmen nicht dorthin spedierte, wo der Pfeffer wächst, könnte sich auszahlen. Um sich den Barrage-Platz zu sichern, darf sich der FC Aarau allerdings keine weiteren Ausrutscher leisten. Ab jetzt ist jedes Spiel ein Kampf um Leben und Tod. Wer das unzutreffend findet, hat Bill Shankly auf seiner Seite. «Im Fussball geht es nicht um Leben und Tod. In Wahrheit ist die Sache sehr viel ernster», hatte die Liverpooler Trainerlegende einst gesagt. 

Die Stadionfrage 

Der Aufstieg in die Super League ist nicht die einzige Baustelle des FC Aarau. Auch das marode Stadion schreit nach einer Lösung. Doch im Paragraphendschungel des Schweizer Rechtsstaats lauern Gefahren in Form von Giftschlangen und Fallgruben. Zudem wächst das Geld fürs neue Stadion nicht auf den Bäumen. 

Um Himmels Willen 

Die Schweiz, die fussballverrückte, drückt dem FC Aarau die Daumen. Im Aufstiegskampf und beim Handwerken. Und richtet an die Rüebliländer eine dringende Bitte: Baut um Himmels Willen keinen Kunstrasen ein im neuen Stadion, falls es denn kommt. Fussball auf Plastik ist wie Sex mit Kim. Der Aufblasbaren aus dem Erotikshop.

Von Pierre August erfasst am 08.03 2019 18:05

Genau! Xamax runter mit dem Plastikseich, dafür Aarau rauf. Hopp Aarau!!!

Von Insider erfasst am 08.03 2019 18:26

FC Aarau

Ein Grossprojekt in der Schweiz ist schwieriger zu realisieren als ein Ferienhäuschen auf dem Mond. Traurig, aber wahr.

Von GiusiAG erfasst am 22.03 2019 14:54

FCA

Der missratene Saisonstart ist eine grosse Hypothek. Wird wohl nichts. 😢 Dann halt nächste Saison.

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